Kreuzfahrt der besonderen Art

Anfang August verbrachten wir eine ganz besondere Woche; wir waren unterwegs mit einem Hausboot in Brandenburg. Das Hausboot war jedoch kein gewöhnliches Hausboot, sondern ein BunBo: BunBo bedeutet Bungalow Boot. Und wie der Name schon sagt, hatten wir einen kleinen Bungalow auf dem Wasser.


Los ging es an einem Samstagmorgen in aller Früh. Gegen 13 Uhr waren wir vor Ort in Zernsdorf. Die Übernahme war ab 14 Uhr möglich, das Büro öffnete jedoch schon 20 Minuten früher. Es ging alles sehr schnell und professionell. Der Bootsschlüssel und der Code zum Steg sowie zu den Toiletten und der Dusche wurde uns ausgehändigt und mit Handkarren konnten wir unser Gepäck vom Auto an Bord bringen. Nach dem Einzug bekamen wir eine ausführliche Einweisung, was sich wo an Bord befindet und wie damit umzugehen ist. Dies ging alles sehr freundlich und zügig vonstatten. Danach führte uns unser Weg zum nahegelegenen Einkaufszentrum, wo wir Lebensmittel für die kommende Woche bunkerten (Netto und Aldi waren fußläufig zu erreichen). Eine Einweisungsfahrt erhielten wir nicht, da ich einen Bootsschein habe.

Das Abendessen genossen wir in Paulines Hafencafé, direkt an der Marina. Wir ließen den Abend ausklingen mit einem guten Glas Wein und Blick in den Sonnenuntergang... Hier geht es auf "unser" BunBo!


Zernsdorf bis Wendisch Rietz

Am nächsten Morgen ging es dann los. Der Motor wurde gestartet und wir tuckerten gemächlich über den Krüpelsee in Richtung Dolgensee. Der Fluss, auf dem wir unterwegs waren, ist die Dahme. Die Fahrt war einfach bezaubernd. Es war noch nicht viel los und wir waren fasziniert von der ruhigen und gemächlichen Natur rings um uns. Seerosen und Teichmummeln säumten das Ufer und immer wieder konnte man starr stehende Reiher bewundern. Ein Traum! Von der Dahme ging es dann in den Dolgensee, weiter in den Langer See und den Wolziger See. Hier konnten wir einen Liegeplatz bei der "Fischerei am Wolziger See" ergattern und wir beschlossen, die Nacht dort zu verbringen. Auch hier gab es Duschen und Toiletten und sehr leckeres Essen! Etwas verwirrend war die Aufteilung an Land: es gibt ein Restaurant, das für Essen und Getränke zuständig ist, und die oben genannte Fischerei. Diese ist zuständig für Fischbrötchen, die Fischtheke mit hervorragendem Räucherfisch und den Bootsanleger. Für den darauffolgenden Morgen konnte man frische Brötchen bestellen.

Am nächsten Morgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück weiter: durch den Storkower Kanal bis Storkow. Bis dahin hatten wir unsere ersten beiden Schleusen zu bewältigen. Die Schleuse in Kummersdorf wurde von einem Schleuser bedient, die andere war eine "Selbstbedienungsschleuse". Nach der Storkower Schleuse kam dann sofort eine Zugbrücke (auch Selbstbedienung), die jedoch schon offen war, als wir dort ankamen. In Storkow machten wir am ehemaligen Dampfersteg beim Strandbad fest und gingen in den Ort auf der Suche nach einem Restaurant zum Mittagessen. Auf Empfehlung einer Dame im Blumenladen aßen wir in der Storchenklause - jederzeit zu empfehlen.

Nach dem Mittagsmahl überquerten wir den Großen Storkower See und fuhren in den Kanal zum Scharmützelsee ein. Auch hier Idylle pur! Nach unserer dritten Schleuse an diesem Tag legten wir in der Hafeneinfahrt der Marina in Wendisch Rietz an. Hier lagen wir dann zwei Nächte. Das Abendessen genossen wir im Hafenrestaurant; es war lecker, jedoch war der Service total unterbesetzt und Essen und Getränke dauerten ewig. Auch hier gab es Toiletten und Duschen für die Bootsfahrer. Da ich Bootsführer und Fotograf gleichzeitig war, gibt es von den ersten beiden "Fahrtagen" nicht so viele Bilder. Das Steuern des Bunbos war einfach viel zu aufregend. Die Ausbeute finden Sie hier!


Scharmützelsee

Ein Tag Bootspause! Wir machten uns mit dem Rad auf, den Scharmützelsee zu umrunden. Die Runde entpuppte sich als sehr schöne Tour von etwa 

30 km. Leider war der See selten zu sehen, da er von Privatgrundstücken umgeben ist. Der Radweg führte uns durch herrliche Waldgebiete bis Bad Saarow und von dort auf einem Radweg mehr oder weniger entlang einer Bundesstrasse zurück nach Wendisch Rietz. Zufällig führte unser Weg am "Landhaus im Grünen" vorbei, wo wir für ein kleines Mittagessen stoppten. Es war gut, leider wird sehr viel mit Kräutersalz gewürzt (Brot mit Tomate und Mozza war mehr als voll davon...). Das Restaurant ist jedoch ein "Muss" für Knoblauchliebhaber; der Dipp zu den wilden Kartoffeln war einfach perfekt! Ausserdem wurden wir sehr freundlich bedient. Unterwegs trafen wir auf den ein- oder anderen Gegensatz...

 

Den Nachmittag gestalteten wir gemütlich mit Lesen und Ruhen. Zum Abendessen besuchten wir das Steakhaus "Schilfhaus"; das Essen war sehr gut und zum Teil überraschend (Beispiel: Bouillabaisse und Gazpacho waren klare Suppen), die Steaks waren perfekt und der Service sehr freundlich. Auch hier verbrachten wir einen wunderbaren Abend.


Wendisch Rietz bis Zernsdorf

Die gleiche Strecke, die wir hergekommen waren, ging es auch wieder zurück. Die Nacht verbrachten wir wieder bei der "Fischerei am Wolziger See" und hatten am Nachmittag sogar noch Zeit, den Wolziger See zu umradeln. Auch bei der Ankunft in Zernsdorf machten wir uns mit dem Rad auf Erkundungstour.

Kommen Sie an Bord!


Dass schleusen immer wieder spannend ist, konnten wir auf dem Weg zum Scharmützelsee in der Schleuse Wendisch Rietz erfahren. Wir waren mit einem Segelboot in der Schleuse, als sich plötzlich nichts mehr bewegte. Der Wasserspiegel stieg nicht weiter! Nach ca. 5 Minuten ertönte eine Stimme aus einer "Notrufsäule" oben an der Schleuse. Also hochklettern, Knopf drücken und erfahren, dass wohl die Elektronik ausgefallen ist und in etwa 20 Minuten jemand kommt, um uns von Hand weiterzuschleusen. Klappte auch prima, nach einer halben Stunde waren wir raus aus der Schleuse... Zwei Tage später mussten wir noch immer von Hand geschleust werden.

Auf dem Weg zurück warteten wir in Storkow auf unsere Schleusung. Die Schleusenkammer war noch belegt und wir hatten hinter zwei kleineren Booten im Wartebereich festgemacht. Hinter uns lag die Zugbrücke, unter der wir schon durch waren. Nach dem Festmachen warf ich einen Blick zurück zur Brücke und war fassungslos - es kam ein Boot nach dem anderen unter der Brücke durch, davon auch einige große Yachten (der Wartebereich ist begrenzt...). Und dann, so ganz am Schluss, kam auch noch ein Ausflugsschiff! Dieses hatte natürlich Vorfahrt und durfte direkt in die Schleusenkammer einfahren. Ein unglaubliches Spektakel! Ohne Seitenstrahlruder bugsierte der Kapitän das große Schiff in die Schleuse - wirklich beeindruckend!


Potsdam

Da für den letzten Tag eher schlechtes Wetter angesagt war, legten wir schon einen Tag früher in Zernsdorf an und verbrachten den Tag in Postdam. Der

Wettergott meinte es gut mit uns, es regnete immerhin nicht. Wir spazierten durch den Park Sanssoussi und danach durch das Holländische Viertel.

 

 

 

 

Begleiten Sie uns zum Stadtspaziergang!


Unser Fazit dieser Woche:


Jederzeit wieder! Hausboot fahren ist Entschleunigung pur!


Für ein BunBo spricht ganz klar der ausgezeichnete Wohnkomfort. Die Betten sind auch für große Menschen mit 140x200 cm geeignet. Auch das Bad ist sehr gut zu benutzen, die Dusche hat eine ganz normale Größe. Überall ist die Stehhöhe höher als 2 m. Das BunBo ist sehr gut ausgestattet mit allem, was man zum Leben braucht. Entgegen eines "normalen" Bootes ist es durch seine Form jedoch etwas schwer zu steuern und es ist extrem windanfällig. Hat man schon einen Bootsschein kann man nach der Einweisung direkt lostuckern. Ansonsten muss man vor Ort einen Charterschein machen um die Grundlagen des Wasserverkehrs zu erlernen. Man macht wohl auch eine kleine Prüfung. Die Vorbereitung durch BunBo ist extrem gut und professionell. Vor Abreise erhält man über eine Mail Zugang zu einem Einweisungsvideo, das Fahrgebiet und auch unterschiedliche Fahrmanöver. Auch für den Charterschein werden die "Lernunterlagen" mitgeschickt. Ganz neu soll jetzt auch noch eine Anleitung für die Selbsbedienungsschleusen dazukommen. Also - sehr zu empfehlen!

 

 

 

152106